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Historisches Projekt: storagement beim Verlag Walter DeGruyter

Die Evangelisches Verlagswerk GmbH, eine Tochtergesellschaft des Verlages Walter de Gruyter, betreibt in Trebbin südlich von Berlin ein Versandlager, wo die Lagerprozesse rechnergestützt abgewickelt werden. Der Anwender setzten storagement ein, das eine hohe Flexibilität in der Prozessführung bietet. Inzwischen ist storagement an diesem Standort nicht mehr im Einsatz. Jedoch steht die Funktionalität weiterhin in der Software zur Verfügung.

Täglich wurden Bücher und Zeitschriften an Kunden in der ganzen Welt verschickt. Insgesamt ca. 20.000 verschiedene Artikel mit sehr unterschiedlichem Umsatzverhalten wurden gelagert und distributiert. Folgende Darstellung stammt aus dem Projektbericht von 2003:

Lagerbereiche


Hochregallager

Es stehen 4.352 Stellplätze für Europapaletten im Hochregallager zur Verfügung. Auf einem Stellplatz für Europapaletten können auch je zwei Halbpaletten gelagert werden, d.h. die Kapazität des HRL bezogen auf Halbpaletten liegt bei maximal 8.704 Stellplätzen.

storagement berücksichtigt die Angabe des Palettentyps am WE-Identifikationspunkt, um einen passenden Lagerplatz mit den entsprechenden Abmessungen (Rastermaßen) und unterschiedlichen Höhen nach dem chaotischen Lagerungsprinzip auszuwählen.

Kommissionierlager

Das HRL dient als Nachschublager für das Kommissionierlager, das in zwei Etagen mit Fachbodenregalen ausgestattet ist. Im Kommissionierlager sind insgesamt 1.168 Fächer der Fachklasse A und 22.304 Fächer der Fachklassen B,C,D vorhanden. Die Rastermaße können auch hier in storagement durch Parametereinstellung verändert werden, so dass die Fachgrößen den unterschiedlichen Artikelabmessungen weitgehend angepasst werden können.

Nachschubumlagerungen in den Kommisionierbereich sollen ausgelöst werden,

  • wenn eine Auftragsmenge im Kommissionierlager nicht mehr ausreichend vorhanden ist (automatischer Nachschub)
  • eine Umlagerung gezielt angefordert wird (manueller Nachschub)

der Bestand eines Artikels im Kommissionierbereich einen Schwellwert unterschritten hat (präventiv, ereignis- oder zeitgetriggert, automatisch)

Schnell-Lager

Weiterhin gibt es noch den Schnell- und Novitätenlagerbereich, in dem Euro- bzw. Halbpaletten in Reihenanordnung zur Absortierung bereitgestellt werden.

Ablauf


Die Bedienung im Hochregallager erfolgt über einen im Gang mechanisch Schmalgangkommissionierstapler. Im Kommissionierlager werden manuell geführte Kommissionierwagen verwendet. Die Kommissionierwagen mit den kommissionierten Aufträgen werden im Verpackungs- und Versandbereich angeliefert. Die Artikelpositionen eines Lieferauftrages werden an den Verpackungsplätzen verpackt und ggfs. umreift. Anschließend werden die Pakete dem Etikettierarbeitsplatz über Rollenbahnen zugeführt, etikettiert und dem Versand übergeben. Großmengenaufträge werden auf speziellen Arbeitsplätzen in der Packzone verpackt.

Die Anzahl der Kundenaufträge pro Tag kann stark schwanken. Der organisatorische Ablauf bei der Auftragsbearbeitung im Distributionslager des Verlages wird bestimmt durch die Bereitstellungszeiten der Sendungen für die verschiedenen Verkehrsträger im Versandbereich. Der Großmengen- und Zeitschriftenversand soll als Sonderpackaktion komprimiert mit minimalem Aufwand bearbeitet werden.

Datenaustausch


storagement hat die dispositiven und operativen Aufgaben im Lager zu lösen, während im Stammhaus des Verlages ein Hostrechner für die zentrale Kundenauftragsbearbeitung einschließlich der administrativen Aufgaben eingesetzt wird. Der Datenaustausch zwischen dem Hostrechner und dem LVR wird über einen ISDN-Router durchgeführt.

Die Übertragung der täglichen Kundenauftragsmenge an das Lager erfolgt in der Regel nachts. Die Warenzugänge im Lager und die Kundenauftrags-Rückmeldungen werden halbstündlich bzw. in Bulks von jeweils 500 Rückmeldungen an den Hostrechner gemeldet werden. Weitere Schnittstellen für Stammdatenaustausch, Umlagerungsmeldungen, Bestandsänderungen, Inventurabgleich, Remittendenbearbeitung und Avisierung von Warenzugängen sind erforderlich.

Das Verlagshaus de Gruyter entschied sich für eine beleggestützte Lösung mit Barcode-Quittierung der Belege und der Option, später papierlos mit Funkterminals arbeiten zu können.

Lieferscheine und Rechnungen sowie Etiketten werden vom Host vollständig aufbereitet und via LVR direkt im Lager gedruckt. Statistikauswertungen über das Umschlagsverhalten der Artikel werden bereitgestellt.

storagement


Allgemein

Ein großer Teil der benötigten Funktionen konnte aus dem Vorrat des Bausteinsystems storagement ausgewählt werden. Spezifische Funktionen und Anpassungen waren ebenfalls erforderlich und wurden gemäss Feinpflichtenheft programmiert.

Durch die Kombination von erprobten Grundbausteinen und Erweiterungsbausteinen des Systems storagement in Verbindung mit kundenspezifischen Modulen wurden ein hohes Maß an Funktionssicherheit und gleichzeitig eine weitgehende Übereinstimmung zwischen der Lagerpraxis und dem EDV-Steuerungsablauf erzielt.

Eine beleglose EDV-Lösung ist durch die Nachrüstung von mobilen und Barcodefähigen Datenfunkterminals und die Erweiterung der vorhandenen Lösung mit storagement-Bausteinen mit geringem Aufwand zu schaffen.

Für den gegebenen Einsatzfall wurden u.a. folgende Bausteine von storagement zum Einsatz gebracht:

Grundbaustein (Kern) Lagerverwaltungsfunktionen

Der Kern enthält alle wesentlichen Lagerverwaltungsfunktionen inklusive einer Schnittstelle zum Anpassbaustein "HOST-Kommunikation". Er kann auf einem UNIX-Server installiert werden. PCs werden per LAN (Ethernet/TCP-IP) angebunden.

Der Kern bietet ein Datenbank-Interface zur Nutzung verschiedener Datenbank-Systeme wie INFORMIX, ORACLE, ALLBASE. Der Verlag hatte bereits im Stammhaus das Datenbank-System INFORMIX im Einsatz, so dass für das LVS ebenfalls eine INFORMIX-Datenbank gewählt wurde.

Über das Datenbanksystem erfolgt die Spiegelung der Festplatten. Im Kern ist u. a. die Verwaltung der Lagertopologie enthalten. Damit wurde die individuelle Struktur des Koordinatensystems in den verschiedenen Lagerbereichen parametriert. Eine benutzte Fachaufteilung (Raster) kann leicht geändert werden. Sortimentsverschiebungen, die auch andere Artikelabmessungen mit sich bringen, können auf diese Weise bei der Lagerung berücksichtigt werden.

Erweiterungsbaustein Freifachverwaltung

In freifachverwalteten Lagerbereichen werden die Koordinaten für die Einlagerung von Gütern vom LVS vorgegeben. Es wird ein Fach ausgewählt, das

  • frei ist,
  • ausreichend groß ist (dem parametrierten Rastermaß entspricht) sowie
  • der Fachklasse des Artikels entspricht.


Erweiterungsbaustein Teileorganisation

Zu jeder Artikel(Teile)nummer können Informationen wie Mindestbestand, Nachschubort, Standard-Umlagermenge, Fachklasse, Festplatz usw. bereitgestellt werden.

Erweiterungsbaustein Umlager-Automatik

Wird der Mindestbestand in einem Kommissionierbereich unterschritten, wird automatisch ein Umlagerauftrag generiert, welcher den Bestand aus dem entsprechenden Nachschublagerbereich wieder auffüllt.

Erweiterungsbaustein Fehlteileverwaltung

Auslageraufträge mit Fehlbeständen, für die Vollieferung gefordert ist, werden wieder verplanbar sobald eine Einlagerverbuchung für das Fehlteil vorliegt. Die Auslagerverplanung des wartenden Auftrages kann gezielt angestoßen werden. Die Rückstufung eines Auftrages auf "Teillieferung" bewirkt, dass Fehlteile bei der Auftragsbearbeitung ausgespart bleiben und der Auftrag "fertig" wird. Erweiterungsbaustein Statistikmodul Umschlagshäufigkeiten, Lagerbewegungen, Anzahl der Auftragspositonen, Anzahl Pickpositionen und andere Auswertungen wie z.B. Auftragszustände können abgefragt werden.

Anpassbaustein HOST-Schnittstelle

Logische Telegramm-Schnittstelle für die Bereitstellung von HOST-Daten, z. B. Bestellungen, Aufträge, Bestandsmeldungen, Rückmeldungen usw.

Arbeitsplätze

Die PC-Arbeitsplätze für das Lagerpersonal befinden sich in den folgenden Bereichen:

  • im Wareneingang
  • in der Auftragsdisposition
  • in der Rechnungsbearbeitung
  • im Kommissionierbereich
  • in der Remittendenbearbeitung
  • im Leitungsbereich.


Die PCs verfügen über jeweils einen Standard-Laserdrucker und einen Barcode-Scanner.

Belege

Die für die einzelnen Prozessschritte benötigten Belege wie Einlagerbelege, Umlagerbelege, Auslagerbelege, Pickbelege, Picklisten, Inventurbelege werden grundsätzlich prozessnah erzeugt. Ein zu bearbeitender Vorgang wird also vom Bearbeiter am PC datenmäßig erfasst, freigegeben und belegseitig ausgedruckt. Auf jedem der o.g. Belege wird ein Auftrags-Ident-Barcode gedruckt, so dass nach Erledigung des jeweiligen Auftrages der Beleg schnell und fehlerfrei durch Abscannen quittiert werden kann. Bei der Quittierung können im Dialog Abweichungen vom Sollablauf wie z. B. Stückzahlfehler eingegeben werden.

Kommissionierung

Besonders interessant ist die realisierte Verplanungsmethode für die Kommissionieraufträge (Picklisten). Die Kommissionierkräfte rufen sich für eine neue Kommissioniertour und den gerade benutzten leeren Kommissionierwagen am Arbeitsplatz-PC eine Pickliste ab. Bei der Erstellung der Picklisten werden folgende Kriterien berücksichtigt:

  • Die Verfügbarkeit eines Kommissionierwagens
  • das maximale Fassungsvermögen der verschiedenen Kommissionierwagen
  • die Abmessungen der Auftragspositionen (Bücher, Zeitschriften)
  • Folgewagen werden nur für einen Auftrag zugelassen
  • Beteiligungen von anderen Lagerbereichen an einem Kommissionier-Auftrag (z. B. ganze Palettenmenge aus dem HRL) werden angegeben
  • die Lieferschein- bzw. Rechnungsnummern werden auf den Picklisten ausgedruckt, um Lieferschein und Rechnung im Versandbereich zuordnen zu können
  • die Verplanung einer Pickliste erfolgt immer (bei entsprechender Parametrierung) nur aus der Auftragsmenge eines Verkehrsträgers
  • optimale Wegführung für die Kommissioniertouren.


Auf diese Weise wird eine gute Auslastung der verfügbaren Arbeitskapazitäten und Transportmittel bei kurzen Wegen erreicht. Kundenaufträge, die nur 1 bis 2 unterschiedliche Artikel (z.B. Novitäten, Periodika) betreffen und kurzzeitig in großen Mengen auftreten, werden aus der vom Hostrechner übertragenen Kundenauftragsmenge herausgefiltert und zu einer Sonderpackaktion (Bereitstellung von Großmengen in der Packzone) vorgeschlagen. Die Einstellung der Parameter:

  • Anzahl der Artikel pro Auftrag
  • Anzahl der Auftr&aulm;ge


ist m&ozml;glich, um flexibel auf neue Auftragssituationen im Lager reagieren zu können.

Die Sonderpackaktion kann zum Bearbeitungszeitpunkt gezielt abgerufen oder auch wieder aufgelöst und dem Pool der übrigen Kundenaufträge zugeordnet werden.

ähnlich wird mit dem Zeitschriftenversand verfahren. Über ein ABO-Z-Kennzeichen in den Kundenaufträgen wird erkannt, dass es sich um Zeitschriften handelt, die spezifisch am Etikettierplatz bereitzustellen sind.

Eingesetzte Hardware (2003!)


Als Rechnersystem wird das System UNISYS 6000/430 auf Pentium-Basis mit UNIX SVR4 eingesetzt in folgender Ausstattung:

  • Pentium Systemboard 90 MHz
  • SCSI-Festplatten 3 x 1.0 GB
  • 128 MB Hauptspeicher
  • Ethernet-LAN DAT-Laufwerk
  • 4GB Streamer 525 MB


Die Arbeitsplatz-PCs mit dem objektorientierten Betriebssystem OS/2 haben folgende Ausstattung:

  • Intel 486DX2 66 MHz
  • 8 MB Hauptspeicher
  • IDE-Festplatte 350 MB
  • Ethernet-LAN Bildschirm nach TCO 92
  • HP-Laser-Drucker
  • zusätzlich Hand-Laserscanner


Das Hostrechnersystem ist ebenfalls ein UNISYS-System.

Projektablauf

Gemeinsam mit dem Anwender wurde in einer Arbeitsgruppe das Feinpflichtenheft erarbeitet. Nach Bestätigung des Feinpflichtenheftes erfolgte die Generierung der Grundprogramme und die Programmierung der kundenspezifischen Software-Anpassungen. Es folgte anschließend eine Werksabnahme auf dem Zielrechner im Hause der Dr. Brunthaler GmbH. Mit dem Vorliegen der Baufreiheit im Lagerneubau wurde die Installation und Erprobung des LVS schrittweise im Lagerneubau durchgeführt.

Nach einem mehrwöchigen Dauerbetrieb mit sehr hohem Auftragsvolumen (Weihnachtsgeschäft, Auftragsstau durch den Lagerumzug des Verlages Walter de Gruyter vom alten Lager in das neue) erfolgte die Übergabe der Komplettlösung bestehend aus Hardware und Software an die Evangelisches Verlagswerk GmbH.

Nach Ablauf der Garantiezeit wird ein Wartungsvertrag für storagement wirksam.

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