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Zielsetzung der Lagerhaltung, Kostenfaktoren

Version: 1.6, von Prof. Dr. Stefan Brunthaler

Die Lagerhaltung dient dazu, Beschaffung und Absatz bzw. Verbrauch zu harmonisieren. Sie soll einen hohen Servicegrad bei möglichst geringen Kosten erreichen. Als hohen Servicegrad betrachtet man kurze Lieferzeiten und hohe Lieferbereitschaft. Diese Ziele sind zu 100% nur bei unendlich hohen Lagerkosten zu erreichen; also ist ein günstiger Kompromiss anzustreben. Folgende Kostenkategorien sind nach Barth et al. (s. Anhang) zu betrachten:

  • Die durch die Lagerbestände unmittelbar verursachten Kosten (Kapitalbindung, Versicherung, Qualitäts- und Mengenrisiken)
  • Einrichtungskosten
  • Personalkosten


Von Bedeutung für die Betrachtung der kostenminimierenden Wirkung von EDV-Systemen im Lager sind insbesondere folgende Kostenfaktoren von Belang:

  • Raumkosten: Für die benötigten Flächen ist ein kalkulatorischer Mietzins anzusetzen.
  • Personalkosten: Gesamtkosten des benötigten Personals.
  • Investitionskosten: Ausgaben und Finanzierungskosten für Anlagen, Installationen und Bauten. Dazu gehören auch Stapler, Regalförderzeuge, Lagerhallen, Regalanlagen, EDV usw.
  • Betriebskosten: Laufende Ausgaben für Pflege und Betrieb von Anlagen und Installationen sowie Gebäuden. Betriebsmittel sind auch Papier, Belege, Druckkosten, Versicherungen.
  • Kapitalbindung: Entgangene Zinseinnahmen für in Lagerbeständen gebundenes Kapital.
  • Zur Bewertung des Nutzens einer Lagerwirtschaft für das Unternehmen dürfen weder Kosten noch Servicegrad allein betrachtet werden. Zielsetzungen für die Lager-Auslegung können also alternativ sein: Minimierung der mit der Lagerwirtschaft verbundenen Kosten bei einem vorgegebenen Bereitstellungsniveau (Service-Grad) oder Maximierung des Bereitstellungsniveaus bei einem vorgegebenen Kostenbudget für die Lagerwirtschaft.

 

Funktionen von IT-Systemen im Lager, die den Nutzen steigern


Die tatsächlichen Kostenreduktions- bzw. Servicegrad- Steigerungspotentiale im Einzelfall können nur quantifiziert werden, wenn der Einzelfall im Detail betrachtet wird. Daher wird hier auf einige ausgewählte qualitative Funktions- und Nutzen- /Kosten- zusammenhänge eingegangen.

Im übrigen muss zwischen einer reinen Lagerbuchhaltung und einer Online-Lagerverwaltung unterschieden werden:

Eine Lagerbuchhaltung hat jedes Warenwirtschafts- System und (fast) jede kaufmännische Software, denn Lagerbestände sind in jedem Fall kaufmännisch zu bewerten.
Ein Online-Lagerverwaltungs- System erhebt und verwaltet zeitnah und im Detail Informationen über jede Bewegung, jeden Bestand, jeden Lagerplatz und Personal- sowie Zu- u. Abgangsaktivitäten.

Nur mit einem solchen System kann eine echte Verbesserung im operativen Lagergeschäft erzielt werden. Es wird meist zusätzlich zur kaufmännischen Lagerbuchhaltung eingesetzt und ist über Schnittstellen angebunden.
 

Online-Datenverarbeitung im Lager


Inventur

Durch den Einsatz von EDV im Lager, insbesondere bei zeitnaher Verbuchung aller Bewegungen, erhält man jederzeit in der Datenbank ein genaues Abbild aller Bestände. Einerseits kann die Stichtags-Inventur entfallen (->permanente Inventur), andererseits wird die Bestandssicherheit erheblich verbessert. Auf dieser Grundlage sind genaue Planungen und Prognosen möglich, und er Servicegrad wird durch Vermeidung von Fehlmengen bei reduzierten Kosten deutlich erhöht.

Bestandsoptimierung, Minimierung des gebundenen Kapitals

Auf der Basis der genau bekannten Bestände können nun mit Hilfe des EDV-Systems präzise und aussagekräftige Auswertungen auch hochkomplexer Art durchgeführt werden, um die Bestände im Lager auf die für den gewünschten Servicegrad notwendige Reichweite zu reduzieren. Auch kann die Verteilung der Bestände im Lager durch ABC-Analysen und Reorganisation optimiert werden. Dadurch liegen Güter mit hoher Zugriffshäufigkeit an gut zugänglichen Stellen, während "Langsamdreher" in abgelegene Bereiche verlagert werden. Dies unterstützt die Wegeoptimierung (s.u.); derartige Verfahren sind ohne EDV nicht oder nicht wirtschaftlich durchführbar.

Komplexe Kommissionierungs-Strategien

Bestimmte Kommissionierungsstrategien, die für einen hohen Servicegrad unabdingbar sind, lassen sich nur durch EDV-Einsatz realisieren. Dies sind die auftragsorientierte parallele Kommissionierung in mehreren Lagerbereichen sowie die mehrstufige Kommissionierung, bei der zunächst Gesamtmengen der benötigten Artikel in mehreren Bereichen parallel ausgelagert werden, um dann in einer weiteren Stufe den einzelnen Aufträgen bzw. Sendungen zugeordnet zu werden. Insbesondere letzteres Verfahren bietet bei EDV-Einsatz je nach Komplexität der Lieferaufträge erhebliche Optimierungspotentiale, die bei manueller Bearbeitung nicht oder nicht wirtschaftlich zu erreichen sind. Beispiel:

Lieferscheine
Lieferscheine wurden nachts per Datenfernübertragung in die Datenbank der Lager-EDV übernommen und automatisch zu Sendungen zusammengefasst (z.B. gleiche Adressaten/Kunden).

Hitliste
Durch ein Auswertungsprogramm wird nun ermittelt, ob in der Gesamtheit der Lieferpositionen bestimmte Artikel besonders häufig auftreten und in Kleinmengen gepickt werden müssten.

Optimerung
Das EDV-System sorgt nun dafür, dass die Artikel 2-stufig bearbeitet werden und die zugehörigen Aufträge genau auf die in der 1. Stufe ausgelagerten Mengen der Artikel zugreifen

Vorteil: Durch die Konzentration der temporären Schnelldreher in exakt passender Menge und Steuerung der Kommissionierung genau auf diese Konzentrationspunkte hin werden Nachschubvorgänge vermieden und Wege in erheblichem Maße verkürzt.

Dynamische Lagerplatzvergabe ("chaotische Einlagerung")

Artikel werden nicht an bestimmten Orten, sondern können an jedem Lagerplatz oder in jedem Fach gelagert werden, das frei bzw. technisch geeignet ist. Teuere Flächen für Spitzenbestände jedes Artikels müssen nicht freigehalten werden, sondern es wird von einer statistischen Verteilung der Spitzenbestände über die Artikel ausgegangen. Die Lagerfläche wird insgesamt um bis zu 50% reduziert und dadurch die fixen und variablen Raum- und Betriebskosten reduziert oder eine die Kapazität steigt entsprechend ohne zusätzliche Kosten.

Chaotische Einlagerung kann nur sicher gelingen, wenn jede Einlagerung einfach, eindeutig und sicher der EDV bekanntgegeben bzw. von dieser vorgegeben wird. Dies gelingt am besten, wenn die zu führende Person in direkter Verbindung mit dem Rechner steht, also "online" ist, und Eingabefehler weitgehend ausgeschlossen werden. Dazu dienen Datenfunk-Terminals oder (in begrenzten Bereichen) Infrarot-Terminals, jeweils mit Strichcode-Lesern.

Wegeoptimierte Auslagerung

Jeder Fussgänger bzw. jedes Fahrzeug wird auf dem vermutlich günstigsten Weg durch das Lager geführt. Die Vermutung wird umso genauer, je kürzer der Planungshorizont ist. Dies führt zu dem Schluss, dass die jeweils nächste Streckenführung immer aufgrund des aktuellen Standortes und Systemzustandes ausgewählt werden muss. Dann kann auch auf Ereignisse wie "verschwundene" Bestände oder blockierte Wege reagiert werden.

Wegeoptimierung ist nur dann sinnvoll anwendbar, wenn komplexe Kommissionierungs-Strategien durch EDV-Einsatz angewendet werden, d.h. wenn nicht auftragsbezogen und seriell kommissioniert wird. Zwei Effekte werden erzielt:

  • Einsparung von Personal bzw. Leistungssteigerung mit gleichbleibendem Personaleinsatz.
  • Vermeidung von Investitionen für zusätzliche Fahrzeuge bzw. Abschaltung von Fahrzeugen.


Wegeoptimierung greift dann am besten, wenn die zu führende Person "online" ist, s. oben "dynamische Lagerplatzvergabe".

Fehler im Lager und ihre Vermeidung

  • Falsche Eingaben des Bedienpersonals: Soweit möglich maschinenlesbare Datenträger einsetzen, also Strichcode und Induktiv-Medien (Transponder).
  • Daten dort erfassen, wo sie anfallen, um "Gedächtnisschwund" zu umgehen.
  • Falsche Zuordnung Beleg <--> Objekt (Ware, Kommission, Kunde ...): Belege vermeiden, notfalls mit Strichcodes versehen.
  • Verschwundene Belege: Belege ganz vermeiden.
  • Falsche Zählung (--> falsche Bestände): Zählhilfsmittel einsetzen (Waagen). Mengen direkt am Ort erfassen. usw.


Die Liste lässt sich fortsetzen. Die aufgeführten Maßnahmen lassen sich durch Einsatz von Datenfunk-Terminals mit Strichcode-Lesern umsetzen. Durch Fehlervermeidung wird in erheblichem Maße Handlingsaufwand eingespart. Die nicht-materiellen Vorteile (Kunden-Image) sind schwer zu beziffern.
 

Datenfunksysteme: Generelle Vorteile


Qualitativer Nutzen

Durch Datenfunksysteme mit Strichcode- oder 2D-Code- oder RFID-Leseeinrichtung kann ein mobiler Teilnehmer (Fussgänger, Fahrzeugführer) auf einem Areal von bis zu ca. 10 qkm (je nach Umgebung) über eine Sende- Empfangseinheit direkt mit dem Rechner kommunizieren (online). Infrarot-Systeme benötigen "Sichtkontakt" zwischen Mobilgerät und einer Sende-Empfangseinheit, so dass eine große Anzahl fest installierter S/E-Einheiten mit Verkabelung (!) benötigt wird. Heute ist WLAN üblich, bei Einsatz von Android-Endgeräten bereichsweise mit Mobilfunk-Netz-Unterstützung (2G/3G).

Jedes Ereignis (z.B. unerwartet fehlender Bestand) kann sofort vom Rechner erkannt und bei allen Planungen, auch für andere Mitarbeiter, berücksichtigt werden. Chaotische Einlagerung, wegeoptimierte Auslagerung und Fehlervermeidung werden von Datenfunk-Systemen optimal unterstützt.

Wirtschaftlicher Nutzen

Einsparungen ergeben sich durch:

Maßnahme
Wirkung
Permanente Inventur
Genaue Auswertungen
Bestandsoptimierung
Weniger Kapitalbindung
Komplexe Kommissionierung
Weniger Personalaufwand
Chaotische Einlagerung
Max. 40% Reduktion der Raumkosten
Wegeoptimierung
Weniger Personal und Geräte
Fehlervermeidung
Weniger Personal, Imageverbesserung
Belegvermeidung
Keine Papierkosten, kein Handling


Hardware-Kosten

Datenfunksysteme kosten 2.000...6.500 EUR je mobiler Teilnehmer, je nach Fabrikat, Ausstattung und Anzahl erforderlicher stationärer Einrichtungen. Ein geeigneter Server mit Software kostet (je nach Anforderungen an die Zuverlässigkeit und Leistung) ca. 1.500...7.000 EUR, für fehlertolerante und ausfallsichere Lösungen ca. 15.000 bis 80.000 EUR. Eine voll ausgebaute Standard-Installation für 20 mobile Teilnehmer kostet ca. 40.000-100.000 EUR, je nach verwendeter Hard- und Software. Einstiegslösungen sind dagegen bereits (ohne Mobilteilnehmer) ab 30.000 EUR erhältlich. Eine nähere Spezifikation finden Sie in unserer Einführungsunterstützung
 
Fazit

Die Kosten im Lager lassen sich durch den Einsatz von Online-Datenverarbeitung mit Datenfunksystemen deutlich senken. Im Einzelfall kann sich die Investition bereits innerhalb von 2 Jahren amortisiert haben. In dem Sonderfall, dass durch die Einführung von Online-DV mit Datenfunk ein oder mehrere Staplersysteme oder sogar Baumaßnahmen vermieden werden können, ist die Amortisation sofort gegeben. Genaue Return-On-Investment-Berechnungen müssen kundenspezifisch durchgeführt werden.

Anhang

Quellen: Barth, Klaus: Betriebswirtschaftslehre des Handels. Wiesbaden: Gabler 1993.

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